Unter dem Titel ARBEIT/s/LANDSCHAFT habe ich mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit der Frage „Wie definieren sich die ländlichen Räume in Baden-Württemberg, wie werden die Räume wirtschaftlich gestaltet und zukünftig transformiert?“ beschäftigt.
Im Rahmen eines Leibildes als Handlungskorridor wurden Archetyp-Gemeinden herauskristallisiert, von welcher eine unter den Säulen der Nachhaltigkeit zukunftsfähig (um-)strukturiert wurde. „Sasbach Future Works“ wird für eine zukünftige ländliche Arbeitswelt mit dem Bestand so zusammengebracht, dass neue Kreisläufe geschaffen werden. Unterschiedliche Stränge der Oberthemen (Ökologie = Mobilität, Ästhetik = Arbeitsorte, Soziales = Gemeinschaft und Ökonomie = Daten) werden sensibel und ohne weitere Flächenversiegelung gezogen, um nachhaltig entwickelt und integriert zu sein.
Doch, warum ist diese Auseinandersetzung so wichtig? Das liegt daran, dass die Mehrheit der Landesfläche Deutschlands in seiner regionalen Struktur ländlich geprägt ist. Baden-Württemberg ist dabei sozioökonomisch besonders gut aufgestellt (sprich – gutes Bruttoinlandsprodukt, hoher Anteil an „hidden champions“ und robuste Entwicklung der Arbeitnehmerzahlen). Die Pandemie beschleunigt daher zu der richtigen Zeit die Frage „Wie arbeiten wir in Zukunft, auf dem Land?“. Neue Lebens- und Arbeitsformen fordern angepasste siedlungsstrukturelle Antworten.
Durch den perspektivisch unvermeidbaren „Green Growth“, also die wirtschaftliche Priorisierung der ökologischen Säule, auf die die Nachhaltigkeit aufbaut, verändert sich die Wirtschaft schrittweise hin zur Kreislaufwirtschaft. Eine konvektive und dadurch nachhaltige Arbeitsweise (für Arbeitgeber und -nehmer) kann nur durch eine angepasste Mobilitätslösung, (neue?) Arbeitsorte, sozialem Mehrwert für die Gemeinschaft und zeitgemäße (Daten-) Infrastruktur funktionieren. Nicht zu vergessen ist dabei die Altersstruktur und -prognose der Bewohner des ländlichen Raums. Damit verändert sich auch der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung (mit gleichzeitigen Herausforderungen des „brain drain“, fortschreitender (Über-)Alterung, wie auch veränderte Lebensbedingungen und -ansprüche).
Future Works wird dabei als kreislaufwirksames Ideenmodell verstanden, das durch eine regionale Neudefinition der Arbeitsorte den gesamten Wirtschaftsprozess stärkt und eine neue Arbeit/s/Landschaft entstehen lässt.

Der Einstieg über die regionale Analyse (von Oberzentrum (Karlsruhe) zu Oberzentrum (Offenburg)) zeigt auf, dass die Städte klar im Fokusbereich der Mitarbeiterzahlen stehen und die Arbeitnehmer dort hinstreben. Dennoch zeigt sich der wirtschaftliche Raum umsatzstark im sekundären Sektor (vor allem im Branchenschwerpunkt Metallverarbeitung, Maschinenbau, Automobilteilherstellung und Medien). Dieses Potential für die Umsetzung einer kreislaufgerechten Denkweise muss verankerte Kompetenzen stärken um dem Raum ein neues Rückgrat zu geben. Besonders in dem sekundären Sektor können Reserven und Ressourcen in Kaskaden auf möglichst hohem Niveau gefördert werden, wenn man die Region als dynamisches Netz versteht. Das Leitbild trifft dazu drei Kernaussagen:
1. Wirtschaftskreisläufe regional stärken und neue Symbiosen eingehen, für eine progressive Arbeitsweise.
2. Rurale Arbeitsorte und -landschaften neu inszenieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
3. Neue Angebote der ländlichen Lebensweise stärken die Identität vor Ort und bieten Identifikation.
Durch diese entsteht in der Region ein verändertes Verständnis der Agglomerationsräume inklusive seiner Wirtschaftskraft. Diese Orientierung begleitet von kleinteiligeren Bewegungsradien verändert die Dynamik von Arbeits- und Wohnort, und damit die der Arbeitnehmer und Bewohner, was zu einem neuen Verhältnis des Work-Life-Blending führt.
Bei der regionalen Untersuchung wird ein sich wiederholender Archetyp deutlich. Entlang der schnellen Nord-Süd-Achse (Infrastrukturtrasse von hoher Relevanz für Baden-Württemberg und Deutschland) orientieren sich west-östliche (Land-)Gemeinden, die der gleichen räumlichen Zonierung (Rheinebene inkl. Grenzübergang – monofunktionales Gewerbe- und Industriegebiet – Siedlung am Westhang – Nationalpark als Erholungszone) entsprechen. Diese stellen sich ähnlichen Herausforderungen der ländlichen Entwicklung.
Die Gemeinde mit der sich im weiteren Entwurf beschäftigt wird, ist Sasbach mit Ortsteil Obersasbach. Diese Kommune zeigte in den letzten 20 Jahren eine besondere Progressivität, ist repräsentativ für Landkreis/Bundesland und verfügt noch über starke wirtschaftliche kleine und mittelständische Unternehmen.
Mit der Hilfe von Katharina (Pendler), Wolfgang (Remote Worker auf Workation), Anette (Gründerin und Rückkehrerin), Rosa (Kreativbranche) und Arthur (silberner Mentor) sind Bedürfnisse für die neue Arbeitswelt erarbeitet worden, die sich durch die Zielebenen zusammenfassen lassen
– Ökologie: Orte miteinander vernetzen
– Ästhetik: Neue Arbeitsräume schaffen
– Soziales: Nutzungszyklen schließen
– Ökonomie: Angebundenheit garantieren
Zusammen kommt dies mit dem „Funktionsprinzip der neuen Arbeitsorte“. Unter Beachtung der sich verändernden Arbeitsweise (von Einzellösung bis Plattformebene, Remote oder Präsenz Arbeit) befriedigen verschiedene Orte unterschiedliche Anforderungen. Der „club“ als Superort, gefolgt von dem „local hub“ mit absoluter Arbeitsplatzunabhängigkeit, über „third places“ um Flächen unter anderem zu kuratieren bis hin zum „home office“ als Alternative.
Die Gemeinde wird dabei in neue Schwerpunktbereiche der Nutzungen unterteilt und der Bestand, gemäß dem Funktionsprinzip, belegt. Damit einher geht die Neu-Hierarchisierung der Erschließung und Ausstattung mit alternativen Mobilitäten. Die neue (S-Bahn-)Haltestelle vereinfacht den (über-)regionalen Anschluss. Die Vernetzung der einzelnen Arbeitsorte dienen dabei als Anker und Attraktoren. Die neuen Dorfeingänge vereinfachen das Überblenden der Lebens- und Arbeitswelt.





Dies wird in dem gewählten Vertiefungsbereich noch einmal deutlich. Die Umpositionierung der Bushaltestellen, in Ergänzung mit Parkhäusern (park & charge) und Mobility Hubs (share & move) erleichtern das Erreichen der Flächen und beugen einer Benachteiligung bestimmter Orte vor. Die dörfliche Fußgängerzone an dem „Company Hub“ (der als einer der sozialen Mitten funktioniert) erweitert den geschützten Aufenthaltsraum für alle Generationen. Notwendige soziale und wirtschaftliche Infrastrukturen ergänzen die Nutzungszyklen in kurzen Distanzen (programmatisch wie inhaltlich). Eine Nachverdichtung der Wohn- und Arbeitsräume wird im sensiblen Maß für die dörfliche Struktur vorgenommen. Die Arbeitsorte „produktives Klammbosch“, „Grindehalle“ und „Kompetenzzentrum“ spannen ein dynamisches Feld mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf.



Der Entwurf Sasbach Future Works präsentiert damit eine Lösung für das Arbeiten auf dem Land. Das Evaluieren der Maßstabsebenen zeigt, wie wirtschaftliche Kompetenzen vor Ort gestärkt und erweitert werden können, um eine wirtschaftliche Resilienz bei veränderten Arbeitsweisen, zu erhalten. Nur durch eine hohe Lebensqualität und das Profitieren von der Landschaft kann das Arbeiten auf dem Land seine Pionierrolle übernehmen und ausbauen. Und das über jede landschaftliche Zone hinweg – als ARBEIT/s/LANDSCHAFT.












